Auszug aus der Zusammenfassung der Erzählung:
Bei der Erzählung „Margaretha“ handelt es sich um die Sozialgeschichte einer Familie im Hunsrück im aufsteigenden Milieu eines eigenständigen Webers im 19. Jahrhundert und fortfolgend.
Der Status einer Frau hing zu dieser Zeit wesentlich von zwei Dingen ab:
Erstens von dem Milieu, aus dem sie stammte, dazu zählte der Beruf des Vaters bzw. die potentielle Mitgift. Eine Waise wurde – wenn sie Glück hatte – „genommen“, was bedeutet, dass sie verheiratet werden konnte. Sie erhielt dadurch einen Status, der schlimmstenfalls rein äußerlich besser war als der einer Magd.
Zweitens von der Sauberkeit ihrer Herkunft, dazu zählte vor allem ihre Lebensführung. Eine vorehelich schwanger gewordene Frau war keine Option für einen „anständigen“ Mann im Dorf, sowenig wie ein „Bankert“, ein unehelich geborenes Mädchen.
Hinter der Erzählung „Margaretha“ verbirgt sich genau das: Die erste Margaretha ist uneheliche Mutter, die zweite Margaretha, ihre Tochter, ist ein „Bankert“ ohne Status. Deren Schwiegertochter, die dritte Margaretha, ist eine Waise, die jedoch immerhin Schulbildung genoss.
Die Rechtlosigkeit jeder der drei Frauen hätte zu ihrer ultimativen Demütigung, zu ihrem Verschwinden führen können. Wir wüssten nichts von ihnen. Dass es anders kam, ist das Ergebnis unvorstellbarer Umstände in der Familie und der Akzeptanz im Dorf. Liebe, Mut und Solidarität führten zu einem ungewöhnlichen Umgang mit den strikten Sittenregeln und zu ihrer erfolgreichen Umgehung. Der Zusammenhalt im Dorf verhalf den unterprivilegierten Frauen vom illegitimen zum legitimen Status und schrieb ihren Namen in die lokale Geschichte.
Zielgruppe: Männer und Frauen und alle, die interessierte sind.